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Leben

Im Interview: Mentalcoach und Trainerin Silvia Maute (Teil 1)

„Den Nebel der Angst durchdringen“!

Mit spirituellem Schi-Schi die eigene Mitte finden? Räucherstäbchen? Schneidersitz? Meditation wird von vielen belächelt. Auch, weil keiner so richtig weiß, wie sie überhaupt funktioniert – und das es all diese esoterischen Mittel überhaupt nicht braucht. Mentalcoach Silvia Maute arbeitet seit fast zwanzig Jahren mit Managern und Spitzensportlern zusammen. In ihren Praxen in und um München bereitet sie aber auch Abiturienten auf die Abschlussprüfungen vor. Wie sie das macht und welche Erfolge man mit mentalem Training erzielen kann? Das erklärt sie im Interview.

Welche sind die häufigsten Probleme und Sorgen, mit denen sich junge Menschen an Sie wenden?

Meine Erfahrung zeigt mir, dass junge Menschen – gerade vor einer so wichtigen Prüfung wie dem Abitur – häufig mit Schlafstörungen zu kämpfen haben. Da sind wir ganz klar im Bereich des mentalen Trainings …

Können Sie das einmal konkretisieren?

Ich will es einmal vereinfacht ausdrücken: Das Unterbewusstsein und das Bewusstsein sind wie zwei kleine Männchen in unserem Kopf. Das Bewusstsein nimmt davon etwa 4 Prozent ein, der Rest ist Unterbewusstsein. In diesem ist alles abgespeichert, was wir erleben, was andere sagen, wie sie es sagen usw. Viele dieser Erfahrungen sind so stark in unserem Unterbewusstsein verankert, dass wir sie sogar Jahrzehnte später noch im O-Ton hervorholen können: etwa der fiese Spruch eines Mitschülers, der uns gekränkt hat. Im Bereich Mentaltraining bezeichnen wir das Unterbewusstsein als die mentale Ebene – und diese schläft nie. Sie arbeitet auch tief in der Nacht. Wenn sich hier zu viel angestaut hat, ist die logische Schlussfolgerung: Schlaflosigkeit. Und die zehrt natürlich an den Kräften.

Gibt es weitere Probleme, die sie gehäuft in Coachings mit Abiturienten erleben?

Was mir in den letzten Jahren immer häufiger begegnet, sind junge Mädchen – vorzugsweise Top-Schülerinnen mit Einser-Schnitt –, die mit Formen von Magersucht zu kämpfen haben. In ihrem Kopf dreht sich vor den Prüfungen alles um die Frage: „Was ist, wenn ich das nicht schaffe? Was, wenn ich scheitere?“ Diese Ängste und dieser Druck legen sich bei ihnen auf das Essverhalten und sorgen etwa für Schweißausbrüche und die bereits erwähnten schlaflosen Nächte. Natürlich gibt es meist Einflüsse von Außen, die hier zusätzlich eine Rolle spielen. Bei all den Diskussionen um Magermodels und Schönheitsideale verdrängen wir gerne, dass auch Druck – allen voran der selbst gemachte – zu Essstörungen führen kann.

Gibt es darüber hinaus Situationen, in denen Sie jungen Menschen ein mentales Training empfehlen würden?

Es gibt natürlich die unterschiedlichsten Situationen: Etwa wenn man schon merkt, dass es auf das Schulzeitende zugeht und die Noten immer schlechter werden. Auch aus dieser „Kategorie“ habe ich viele Jugendliche hier. Insgesamt muss ich sagen: Es sind in erster Linie die wirklich guten Schüler, die sich Hilfe suchen. Die haben nämlich irrsinnige Angst auf eine Drei abzurutschen. Ein ganz großes Thema sind auch Prüfungsblockaden: Ich habe oft mit jungen Menschen zu tun, die völlig unvermutet in einer Prüfungssituation ein totales Blackout erlebt haben. Ist so etwas erst einmal trotz Topvorbereitung passiert, kommt schnell die Versagensangst hinzu – sogar vor Klausuren in Fächern, in denen man eigentlich super abschneidet und vor denen man sich gar nicht Bange machen müsste. Doch genau das tun sie: Das Adrenalin steigt dann schon Tage vor der Klausur und das Unterbewusstsein produziert Angst, Angst, Angst.

Können Sie uns erklären, warum es das tut?

Unser Unterbewusstsein ist starr auf „Angst –> Schutz“ programmiert. Im Grunde handelt es sich dabei um eine menschliche Schutzfunktion: Denn Angst ist überlebensnotwenig. Anders als Glücksmomente, die oft nur von kurzer Dauer sind, werden negative Erlebnisse und Gedanken im Unterbewusstsein darum hundertfach vervielfältigt. Die gute Nachricht: Meditation ist ein guter Weg, es genau mit diesen Ängsten aufzunehmen und sie in den Griff zu bekommen.

Ehe wir auf die Meditation selbst eingehen, kurz die Frage: Wie erklären Sie es sich, dass die Ängste gerade vor den Abiturprüfungen oft so neue, große Dimensionen annehmen?

Es hat weniger damit zu tun, dass die Abiturklausuren besonders schwierig sind oder dass die Schüler auf diese zu schlecht vorbereitet werden. Für mich ist es eher ein Gesellschaftsproblem: Die Jugendlichen sehen, dass der Lebensabschnitt Schule sich dem Ende neigt. Sie fragen sich: Was kommt danach? Die Eltern vermitteln ihnen – oft auch nur unterschwellig – das Gefühl: „Du musst es schaffen! Ohne Abi kannst du so vieles im Leben nicht erreichen. Ohne guten Job kein Geld. Ohne Geld kein schönes Leben!“ All das an sich abprallen zu lassen, ist gar nicht so leicht. Vor allem dann nicht, wenn die eigenen Eltern sehr erfolgreich sind und die Erwartungshaltung und der Erfolgsdruck gefühlt noch höher sind. Alle diese Umstände produzieren Ängste, die mit denen vor vorangegangenen Klausuren nicht vergleichbar sind. Viele Jugendliche, die zu mir kommen, sitzen oft in einem Nebel der Angst und ich muss mir überlegen: Wie und wo packe ich sie jetzt? Wie führe ich sie da raus?

Mehr erfahren?

Im zweiten Teil unseres Interviews verrät Silvia Maute, wie eine Coaching-Stunde bei ihr abläuft und wie das mentale Training auch Angst freien Abiturienten helfen kann, in den Prüfungen noch mehr rauszuholen.

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